Gemeinde Brunnthal Gemeinde Brunnthal
Brunnthal Ortsansicht von Westen 30er Jahre.jpg

Ein historischer Rückblick auf die Entwicklung der Gemeinde

Die Flur der Gemeinde Brunnthal erstreckt sich auf der „Münchner Schotterebene“ zwischen einer Höhe von 577 und 607m über MM. Brunnthal, Kirchstockach mit Waldbrunn, und  Otterloh sowie Hofolding und Faistenhaar sind Siedlungsschwerpunkte in den Rodungsinseln des Deisenhofener- bzw. Hofoldinger-Forstes. Die natürliche Gegebenheit der Landschaft ließen zunächst eine Besiedlung in vorgeschichtlicher Zeit nicht zu. Erst die Römer erschlossen ab dem zweiten Jahrhundert nach Christus das Gebiet. Sie legten zwischen den Provinzhauptstädten Augsburg und Salzburg eine fast schnurgerade Verbindungstrasse an. Diese „Römerstraße“ ist im Hofoldinger-Forst noch besonders gut erhalten. Als im 6. Jahrhundert die „Bajuwaren“ das Land unter ihre Herrschaft nahmen, benannten sie ihre Siedlungen nach den ihresgleichen Sippenführern mit der Nachsilbe „-ing“. So könnte „Hofolding“ - die wahrscheinlich älteste urbajuwarische Siedlung unserer Gemeinde sein. Allerdings schriftliche Belege erst um die Jahrtausendwende auftauchten. Der Gemeindebesitz Brunnthal steht mit seinem Namen in einer Reihe von Orten mit dem Zusatz „-brunn“. Das ist Charakteristisch für den Südosten von München, wo der Brunnen in mehr als 30m Tiefe ergraben – Ausgangspunkt und Voraussetzung einer Seßhaftmachung war.

„Brunnthal“ - findet zum ersten Male im Jahre 1073 in einer Schenkungsliste des Kaisers Heinrich IV. an das Kloster Rott/Inn seine Erwähnung. Weitere Belege tauchen  im 12. Jahrhundert in einer Urkunde auf. Im Jahre 1123/27  wird der Ort in einer Dießener Stifterurkunde erwähnt.  Im Jahre 1140/52 begegnet er uns wieder, als das Kloster Schäftlarn  unter Probst Engelbert ein Grundstück in Brunnthal erwirbt.

Auch ein Tauschvertrag vom 30.Mai 1183 existiert, wo Kaiser Friedrich Barbarossa in Eger einen Hof in Straßlach gegen einen  anderen und eine halbe Hube in Brunnthal tauscht. Die Bezeichnung Brunnthal steht in einer Reihe von „brunn“-Orten in unserem Landkreis, z.B. Hohenbrunn, Grasbrunn, Putzbrunn, Siegertsbrunn und Marchwartsbrunn, das heutige Höhenkirchen.  

Die übrigen Ersternennungen der Ortsteile gehen auf Klosterurkunden zurück. „Kirchstockach“ – ursprünglich Stockach – wo es durch Rodung viele Stöcke gab, wird im 11.Jahrhundert erstmals in Aufzeichnungen des Kloster Tegernsee genannt, wo zwischen 1008 und 1017 der Edle Ratport sein Erbgut in Stockach mit allem Zubehör dem Kloster schenkt. Ab 1315 ist in Stockach eine Kirche erwähnt. Erst in der jüngsten Nachkriegszeit gibt es den Ortsteil Neukirchstockach als neu erschlossenes Siedlungsgebiet. „Otterloh“ – ursprünglich Ottarlah - lichter Wald in dem es Ottern gab, sind um das Jahr 1020/35 bzw. 1030 als Besitz des Klosters Tegernsee ausgewiesen. Auf Grund historischer Überlegungen lässt sich Otterloh allerdings schon von 900 datieren. „Portenläng“ – Lange Zeit deutete man den Ortsnamen als römisches Überbleibsel, das sich aus „prata longa“ (lange Wiese) ableitet und als römische Siedlung gedeutet wird. Später ab dem 14. Jahrhundert als „partenlinnten“ in Verbindung mit dem Kloster Tegernsee genannt. „Englwarting“ - „Hof des Engilward“ taucht im Jahre 1289 als Besitzgut des Klosters Benediktbeuren in einer Urkunde namentlich auf. 1291 gibt ein Ritter von Sachsenhausen eine Hube von Englwarting dem Kloster Benediktbeuern. „Riedhausen“ – von Riedhausen stehen keine Urkunden zur Verfügung. Der Name ließe sich, ähnlich Stockach, mit dem Wald in Verbindung bringen und der weiteren Siedlungstätigkeit im frühen Mittelalter zuordnen. Riedhausen wird als Behausungssiedlung in der Rodung erklärt. In einer Schäftlarner Urkunde tauchte der „Riedhof zu Prunntal“ auf. Dessen Inhaber hier „der Riederhoffer genannt“, 1616 als „Hans Riedhauser oder Huber“ bezeugt wird.

Die hiesigen Ortsnamen hängen häufig mit „Wald“ zusammen. „Faistenhaar“ - erklärt sich aus „harde“, „hart“. Siedlung am fetten, fruchtbaren Wald. Der heutige Ortsteil Faistenhaar wurde 1189 in einer Urkunde des Klosters Schäftlarn zum ersten Mal erwähnt. Die nächste Erwähnung des Ortsteiles findet sich im Jahre 1315 wieder und wird als „Waitzenhart“ bezeichnet.

In der Rodungsarbeit wird die große Kulturleistung der Klöster deutlich, die diese bei der zweiten Besiedlungswelle unserer Heimat erbrachten. Auch die Wittelsbacher Landherren beteiligten sich an der Erschließung des Gebietes. Sie beanspruchten seit 1280 Besitz in Hofolding. Außerdem war der große „Hofoldinger-Forst“ ihr Eigentum. Die ihnen eigene Hofmark Hofolding, die mit Grünwald zusammengelegt war, statteten sie ab 1439 immer wieder mit Sonderrechten aus. Auch die landesherrlichen bestellten Förster am Ort traten als besondere Förderer hervor.

Von den Pfarrsitzen Haching und Hohenbrunn aus wurden die Dörfer kulturell erschlossen. Kein Ort der Gemeinde war selbst jemals Pfarrort, aber schon 1315 sind Filialkirchen in Brunnthal, Kirchstockach, Hofolding und Faistenhaar verzeichnet. Die Pfarrakten schildern immer wiederkehrende Notzeiten wie Unwetter, Kriege, Hungersnöte und Seuchen. Besonderes Leiden brachte das Jahr 1632-1633, wo im Laufe des Dreißigjährigen Krieges die Schweden München besetzt hatten und das Umland mit Raub, Mord, und Brandstiftung überzogen. In diesen Jahren forderte auch die Pest viele Opfer. Laut einer mündlichen Überlieferung zufolge überlebten in Brunnthal nur ein Bewohner von Portenläng und einer von einem Jägerhaus bei Höhenkirchen diese Zeit.

Die Bauern jener Zeit halfen durch ihre Steuerzahlungen mit, das barocke Leben der Kurfürsten zu finanzieren. Im Jahre 1671 waren in Brunnthal 26 Bauern, in Otterloh zusammen mit Portenläng und Lanzenhaar 11, in Kirchstockach 4, Hofolding 22 und in Faistenhaar 18 zur Steuer veranlagt.   In dieser Zeit wurde das äußere Bild der Dörfer geformt. Im Jahre 1683 war in Faistenhaar Baubeginn für die Kirche St.Peter und Paul, ihrer Bestimmung konnte sie aber erst im Jahre 1735 übergeben werden, da sich die endgültige Fertigstellung, wegen der örtlichen Schwierigkeiten und den fehlenden Subsidien über Jahre hinzog. In Hofolding rief man 1708 Johann Ettenhofer zum Bau der Hl. Kreuzkirche. Im Jahre 1739 erklärte der bischöfliche Generalvikar die Brunnthaler Kirche für baufällig, worauf Brunnthal im Jahre 1740 den Baumeister Ignaz Anton Gunetzrainer aus dem berühmten oberbayerischen Baumeistergeschlecht mit der Ausführung des Kirchenbaues St. Nikolaus beauftragten konnte. Finanznöte – bedingt durch den Spanischen Erbfolgekrieg – verzögerten sich die Kirchenbauten über Jahrzehnte. Im Jahre 1820 sollte die Kirche in Brunnthal abgebrochen werden. Da rettete F.X. Baron von Hardung, Pfarrer in Hohenbrunn das Gotteshaus. Im September 1863 stürzte der Kirchturm ein, wurde aber mit finanzieller Hilfe der Nachbargemeinden wieder aufgebaut. Der Bau der Marienkapelle in Hofolding wurde ab 1756 als Wallfahrtsheiligtum besonders gefördert und mit den Spenden der Bevölkerung künstlerisch ausgestaltet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Jahre der Aufklärung, wurden viele barocke Bräuche und Einrichtungen abgeschafft. Ab der Säkularisation war es ein Hauptanliegen der Obrigkeit und der reformfreudigen Minister Bayerns im neu gegründeten Königreich, die Unterrichtung und Ausbildung der jungen Generation.

Seit 1803 ist ein Schulbetrieb in Brunnthal belegt, zunächst in der Stube eines Bauernhauses. Erst 1820 konnte die Gemeinde ein eigenes Schulhaus errichten. Die weiten Schulwege erschwerten für die Kinder der umliegenden Dörfer die Schulpflicht. Aus diesem Grunde wurde der Unterricht für die Ortschaften Hofolding und Faistenhaar im Jahre 1875 in einem Gebäude in Faistenhaar aufgenommen. Die beiden Dörfer hatten sich gerade zu einer selbstständigen Gemeinde zusammengeschlossen. Gemeindliche Maßnahmen wie z.B. die Gründung der ersten Feuerwehren 1875 wurden auch in dieser Zeit beschlossen.

In der Gemeinde Brunnthal lebte und ernährte sich die Bevölkerung hauptsächlich von der Landwirtschaft. Die wenigen Handwerker in den Dörfern hatten gerade so ihr Auskommen. Diese Bescheidene Lebensweiße veranschaulicht heute noch einige Bauernhäuser, die mehr als über 200 Jahre überdauert haben. Zwei besondere Beispiele aus unserer Gemeinde sind zum einen der „Müller-Hof“ aus Hofolding sowie ein Kornkasten aus Portenläng stehen inzwischen als Museumsstück im oberbyerischen Freilichtmuseum auf der Glentleiten bei Großweil.

Nach dem Ersten Weltkrieg setzten sich die unruhigen harten Zeiten in den einzelnen Dörfern weiter fort und die wirtschaftlichen Probleme fanden kein Ende. Die Inflation 1923 brachte viele Bauern in Existenznöte, viele Einwohner hatten keine Arbeit…Die Arbeitslosigkeit war enorm hoch. Die Gemeinde stand erneut vor neuen Aufgaben.

Die Zeit von 1939-1945 bescherte Brunnthal neue Bedingungen und Herausforderungen die es zu bewältigen bedarf. Zum Beispiel der Bau der Autobahn München-Salzburg der bis 1939 andauerte. Die Bevölkerungszahl von 919 Personen im Jahre 1939 stieg rasant auf 1.726 Einwohner in den darauffolgenden Jahren. Grund war natürlich das Kriegsende 1945, in denen viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene die Zuflucht und eine neue Heimat in Brunnthal und der Umgebung fanden. In der Nachkriegszeit entstand in den Dörfern eine neue Anzahl von Handwerksbetrieben.

1978 wurden die beiden eigenständigen Gemeinden Hofolding und Brunnthal im Zuge der großen Gebietsreformen zusammengelegt. Unsere Nutzflächen die landwirtschaftlich genutzt werden sind auf 753 Hektar zurückgegangen.
Aus idyllisch- verschlafenen Bauerndörfern ist ein gefragter Siedlungsraum entstanden – die natürlichen und sozialen Voraussetzungen unserer Gemeinde für die Bürger stimmen überein.

Dieser kleine bewegende Auszug aus der Geschichte unseres Dorfes soll zeigen das auch in den schwierigen Zeiten die Bürger zusammen gehalten haben und ohne diese Verantwortung und Fürsorge aller wäre Brunnthal nicht das was es heute ist...

Ein kleines Dorf im Südosten Münchens - Lebenswert – Liebenswert.

Text und Bilder: Gemeindearchivar, Norbert Loy

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  • Gemeindearchivar, Norbert Loy